| Das Fernsehen und Co. | |
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Deutschlands Jugend wird immer blöder, Deutschlands Wirtschaft immer schwächer, die Arbeitslosen immer mehr und der Sommer ist auch nicht mehr das was er mal war. Was ist da bloß los? Ist das Fernsehen Schuld? Lässt es uns zunehmend verblöden und verrohen, vertreibt es den letzten Rest an mündiger Kritikfähigkeit und Sozialsinn, der uns noch inne wohnt? Ist das Fernsehen der wahre Grund für PISA und Erfurt (man erinnert sich noch an das Schulmassaker des Robert S.?) Gemach, gemach. Wir suchen uns immer das Niveau an Unterhaltung und Anregung, das wir gerade noch verdauen können und uns nicht zu sehr anstrengt. Wir werden also nicht blöd durchs Fernsehen, wir sinds schon. Das jeweilige Programm sorgt dann dafür, dass wir nicht klüger werden, vielleicht sogar weiter verflachen. Insofern- soviel muss man doch sagen- kommt hier dem Fernsehen eine verstärkende Funktion zu. Gäbe es keine gewaltbereiten- besser gewalt"geneigten"- Jugendliche gäbe es auch keine gewaltverherrlichenden Computerspiele und Filme. Der andauernde Konsum dieser seltsamen Machwerke mag bei dem einen dann dazu führen, dass er sich vom frustrierenden Alltag entspannen kann (Katharsis-Funktion). Das Aggressionspotential des einen oder andern, das infolge von Frustration entsteht, kann also durchaus durch solche Produkte abgebaut werden. Beim andern- wie unserem Robert S.- bekommt das Medium jedoch Suchtfunktion, indem es eine zu große Bedeutung in der Alltagsbewältigung einnimmt. Es ermöglicht die Flucht aus der Realität, die nötig wird, weil man mit den täglichen Problemen nicht zurecht kommt. Daraus folgt: in der Hand labiler, gestörter Persönlichkeiten- aufgrund welcher Faktoren diese auch immer diese Entwicklung genommen haben- sind manche Medien bzw. Medienprodukte Gift. Sie verstärken und vertiefen die Kluft zwischen Realität und Fantasiewelt. Jeder noch so kleine Funke kann dann das Pulverfass zum Explodieren bringen. |
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Und wie sind all die seltsamen TV-Formate, wie sie uns im Stundentakt über die Mattscheibe flimmern zu bewerten? All die Frauen-Urlaubs-Familien-Tausch-Sendungen, Big Brother und die Dschungelshow? Im Grunde sprechen sie immer nur ein Motiv an, nämlich das der Neugier auf unsern Nächsten, in der extremeren Form auch Voyeurismus genannt. Früher hat man es dabei belassen, beim Nachbarn ins Fenster zu lugen, wenn die Vorhänge zurück gezogen sind. Heutzutage kommt der Nachbar anonym und per Television ins Wohnzimmer. Da sieht man dann, wie er Urlaub macht, die Wohnung renoviert und das Auto tunt. Und der Promi ist auch nicht mehr das was er mal war, wenn er für ein klein wenig Aufmerksamkeit schon in den Dschungel oder auf die Alm geht. Die Tauschformate zeigen somit, dass man sich in Deutschland wieder für das Private interessiert. Sie zeigen gleichzeitig, wie bescheiden man doch geworden ist, wenn man sich mit kleinen Sozialexperimenten a la- lassen wir zwei Mütter ihre Familien tauschen und schauen wir, wer besser kocht- zufrieden gibt. Jeder kann sehen, "aha, die machen es auch nicht besser als wir und die haben auch keine größere Wohnung". Das ist der Informationsgehalt, den solche Formate für den Durchschnittszuschauer haben. Der soziale Vergleich findet also fortwährend statt und offenbart gleichzeitig die weit verbreitete Verunsicherung, die in Deutschland herrscht. Denn Vergleiche finden nur statt, wenn man Schwierigkeiten hat, sich in die Sozialmatrix einzuordnen. Formate a la Dschungelshow ("ich bin ein Star, holt mich hier raus") bedienen noch ein weiteres Motiv: das der Schadenfreude. Insofern könnte man derartige Formate durchaus als geschmacklos bezeichnen, insbesondere, wenn die Ekelaufgabe von heute morgen schon wieder eine Steigerung erfährt. Der Zuschauer sieht A-, B- und C-Promis in Extremsituationen, in denen er sie sonst nie sehen würde und erfährt, dass diese uns allen ähnlicher sind als man je vermuten konnte. Der Prominentenstatus erfährt eine Entmystifizierung. Schadenfreude stellt sich ein, weil es jeder Zuschauer diesen "Promis" gönnt, so widerlich leben zu müssen, denn aus der Bereitschaft mitzumachen spricht, aus der Sicht des Zuschauers, die unglaubliche Mediengeilheit dieser "Promis" und dies wird als abstoßend empfunden. Formate wie die Dschungelshow funktionieren also deshalb (noch), weil es in der Zuschauergemeinde offenbar noch den Minimalkonsens gibt, dass man für Geld und Aufmerksamkeit nicht alles tut. Von diesem Minimalkonsens lebt dann auch ein TV-Recycler wie Stefan Raab, der diese moralische Empörung selbst wieder in ein Comedy-Format transformiert (und sich dabei selbst aus dem Baukasten der kritisierten TV-Formate bedient). Solange es diesen letzten Rest an "Moral" jedoch noch gibt, wird einem nicht Bange um Deutschland. Dass es ihn noch gibt, zeigt die Tatsache, dass Schönheits-OP-Dokusoaps, wie sie in den USA laufen, bei uns kaum Resonanz erfahren. Das wäre dann wirklich der Untergang des Abendlands (zumindest Deutschlands). |
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