Der Arbeitnehmer und Liebe auf Distanz- Gefahr für die Arbeitsmoral?

 

              

In Zeiten knapper Arbeitsplätze und gestiegener Erwartungen der Wirtschaft an die Bereitschaft zur Mobilität der Arbeitnehmer, wird es immer mehr zur Selbstverständlichkeit, wegen des Jobs in die Ferne zu ziehen und Partner und Familie zu Hause zurück zu lassen.

Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2001 leben bereits 16% der Befragten im Alter zwischen 25 und 55 Jahren in einer Fernbeziehung. Und die große Mehrzahl tut dies nicht freiwillig, sondern notgedrungen. 

Für den Arbeitnehmer und die Daheimgebliebenen ist dies mit vielerlei Belastungen verbunden. Zwei Drittel der Befragten gaben denn auch an, diese Lebensform als "extrem belastend" zu empfinden: Neben dem Anpassungsdruck, den ein neues soziales Umfeld, sowie eine neue berufliche Herausforderung ausüben, müssen die Beteiligten auch damit zurecht kommen, dass der Rückhalt, den Familie und Partner bislang gewährt haben, weg fällt. 

Einsamkeit, mangelnder kommunikativer Austausch, fehlende körperliche Nähe, fehlende Alltagsroutinen, all dies macht den Beteiligten zu schaffen. In der Folge führt dies häufig zur Entfremdung der Partner, Eifersucht, Misstrauen und einem schleichendem Wegbrechen der Basis jeder Beziehung: dem Vertrauen. Hält die Situation dann an, ist es für alle Beteiligten nur sehr schwer, wieder aus dem Teufelskreis von Entfremdung und Vertrauensverlust auszubrechen und die Beziehung ist ernsthaft in Gefahr.

Dass diese private Situation des Arbeitnehmers nicht ohne Folgen für seine Leistungen im Unternehmen bleibt, dürfte jedem sofort einleuchten.

Oben wurde ja bereits angedeutet, dass ein Jobwechsel an sich ja bereits eine Herausforderung darstellt. Noch schlimmer ist es jedoch für den Berufsanfänger, der seine erste Arbeitsstelle in der Fremde antreten muss. Die Belastungen, die sich hierdurch ergeben, verlangen ganz besonderes Fingerspitzengefühl des Arbeitsgebers und Vorgesetzten, wenn er die Stärken des neuen Mitarbeiters fördern will. Untersuchungen belegen jedoch, dass gerade junge Hochschulabsolventen vielfach einfach ins kalte Wasser geschmissen werden, so nach dem Motto "Soll sehen, wie er damit zurecht kommt!" Mit verheerenden Auswirkungen auf Mitarbeitermotivation und Zufriedenheit.

Muss der junge Arbeitnehmer dies alles auch noch fern der Heimat durchstehen, sind Sie als Arbeitgeber vollends in der Pflicht, ihm zur Seite zu stehen und ihn auch privat zu unterstützen!

- Machen Sie ihm den Eintritt ins Berufsleben so einfach wie möglich: Sorgen Sie für eine gründliche Einarbeitung. Überfordern Sie ihn nicht, indem Sie stillschweigend davon ausgehen, er würde sich seine Aufgaben schon selbst suchen. Präsentieren Sie ihm also einen überschaubaren, in absehbarer Zeit zu bewältigenden Aufgabenkatalog, der ihn nicht verschreckt! Davon, wo er in 5 Jahren einmal stehen kann, wenn er sich jetzt anstrengt, hat der Arbeitnehmer zunächst nichts, wenn er in den Job einsteigt. Dies kann nur zur Frustration beitragen, wenn man ihm nicht das nötige Rüstzeug mit auf dem Weg gibt.

- Steigern Sie langsam das Anspruchsniveau. Aufgabenanforderungen sollen so gewählt werden, dass die Bewältigung zwar einen spürbaren Erfolg darstellt, eine Leistungssteigerung aber in jedem Fall noch möglich ist. Beginnen Sie zunächst mit Tätigkeiten, die möglichst nahe den Anforderungen kommen, die der Anfänger aus seiner Ausbildung (Studium) kennt. Also: nicht gleich eine Präsentation vor der gesamten Abteilung über ein komplexes Thema abverlangen, sondern ihn zunächst nur bei der Vorbereitung mithelfen lassen und ihn vielleicht ein, zwei Punkte vortragen lassen. 

- Geben Sie ihm einen Mentor an die Seite! Diese Person sollte in der Lage sein, möglichst schnell eine vertrauensvolle Beziehung zum Neuen aufzubauen, so dass sich dieser auch in privater Hinsicht unterstützt fühlt. Bei Schwierigkeiten, Hindernissen im Job, aber auch persönlich, sollte dieser als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Hierdurch erreichen Sie zum einen, dass der neue Arbeitnehmer sich mit der Einbindung ins Unternehmen leichter tut. Andererseits haben Sie auf diese Weise einen guten Einblick in die private Situation des Arbeitnehmers und merken, wenn dieser durch die Fernbeziehung allzu sehr mitgenommen wird.

- Sorgen Sie für klare Strukturierung der Arbeitszeit! Alles was den Unmut und das Misstrauen der Familienangehörigen erregen könnte gilt es zu vermeiden bzw. auf das allernötigste zu beschränken: so wenig Überstunden wie möglich, so regelmäßige Arbeitszeiten wie möglich, klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit. Letzteres mag ein Widerspruch zum vorherigen Punkt sein. Das heißt nur, dass es für den Arbeitnehmer und seine Angehörigen erkennbar sein soll, wo Beruf aufhört und Freizeit anfängt bzw. umgekehrt. 

- Sorgen Sie aber auch für die nötige Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung im Sinne des Arbeitnehmers. Ermöglichen Sie ihm z.B. einen Arbeitstag, der zwischen Wochenende und Feiertag liegt, auf den Feiertag vorzuziehen, so dass er dadurch in den Genuss eines langen Wochenendes mit seiner Familie kommt. Oder lassen Sie ihn am Freitag früher nach Hause fahren, damit die Wochenenden länger werden.

- Helfen Sie dem Neuen, sein neues Leben zu organisieren! Also: Seien Sie ihm bei der Wohnungssuche behilflich, unterstützen Sie ihn mit einem zinslosen Kredit, denn so ein Umzug kostet ja immer sehr viel Geld, besorgen Sie ihm ein KFZ, usw.

- Binden Sie die Familie am Hauptwohnsitz ein! Vermeiden Sie es, dass der Neue sich mit den neuen Kollegen (noch schlimmer Kolleginnen, wenn es ein Mann ist) oder sonstigen neuen Bekannten über die einsamen Abende (und Nächte) tröstet und die Daheimgebliebenen dunkle Mächte am Werk wähnen, weil Sie die Kollegen nicht kennen oder am Ende gar nichts davon erfahren. Organisieren Sie so früh wie möglich zwanglose Treffen zwischen der Familie des Neuen und Kollegen, mit denen der Arbeitnehmer viel zu tun hat! Der Mentor würde sich hier anbieten! Achten Sie darauf, dass es so zwanglos wie möglich und im kleinen Kreis stattfindet. Jedenfalls sollten Sie vermeiden, dass der daheimgebliebene Partner auf Betriebs- oder Weihnachtsfeiern zum ersten Mal mit dem neuen Arbeitsplatz und den dortigen Kollegen zusammen kommt. Das hat schon so manchen Angehörigen in die Flucht geschlagen: Zum einen weil er dort in ungefilterter Weise und konzentrierter Form zum ersten Mal mit der "Firmenkultur" in Berührung kommt. Zum Andern weil es sich nicht vermeiden lassen wird, dass der Angehörige von der Belegschaft begutachtet wird.

  

 

 

Arbeit in der Fremde als echter Beziehungskiller?

 

 

 

 

 

besondere Verantwortung des Chefs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© 1999-2003 Marion Dorbert - Letzte Aktualisierung: 10/2003 - E-Mail: info@marion-dorbert.webjus.de
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