"Prinzip Freude": BMW Kompakt
BMW hat schon wieder ein neues Zugpferd am Start: Den 1-er , der dazu antritt, in der unteren Mittelklasse Golf und Co das Fürchten zu lehren. 

Uns interessiert hierbei natürlich vor allem der Werbespot im Fernsehen, den wir zur Markteinführung seit einiger Zeit bewundern dürfen. 

BMW wirbt ja vor allem mit dem enormen Fahrspass, den seine Modelle für den Fahrer zu bieten haben. So auch hier. Man geht sogar noch einen Schritt weiter und versteigt sich zu einer philosophischen Abhandlung über den Wert und Sinn des "Prinzips Freude" im Leben: Freude wird als der Motivator, als die Triebfeder des irdischen Daseins veranschaulicht, was den Einzelnen aus der breiten Masse heraus hebt: "Ist es nicht Freude, die uns zu Legenden macht?" oder "Ist es nicht Freude, die uns zu Helden macht?" wird bedeutungsschwanger in der Bildunterzeile sinniert. 

Na ja logisch, nur wenn ich Freude an meinem Tun habe oder mich an etwas richtig erfreue, lässt es mich zielstrebig meinen Weg gehen oder bleibt es mir als etwas besonderes im Gedächtnis haften (nennt man in der Psychologie "intrinsische Motivation").  Und das soll wohl beim neuen 1er- BMW genauso sein. Er ist strikt dem "Prinzip Freude" im Leben verpflichtet und hebt sich dadurch von der breiten Masse der Kompakten ab (genauso wie die Fahrer sich wahrscheinlich  herausgehoben fühlen sollen).

Die inhaltliche Aussage, die sich direkt auf das Produkt, also das Auto, bezieht, ist somit eher auto-unspezifisch. Denn das Prinzip Freude kann man ja mit allen Dingen verknüpfen, die man verkaufen will (klingt im Ebay-Spot "Drei, Zwei, Meins"  z.B. auch an). Gleichwohl ist natürlich wahr: Autofahren ist in Deutschland für viele Menschen eine Tätigkeit, die sie mit "Freude" erfüllt (mich übrigens auch), insbesondere wenn es sich bei dem bewegten Fahrzeug um ein sportliches Fahrzeug handelt. Dies ist bei BMW- wer einmal damit gefahren ist- zweifelsfrei der Fall, so dass auch bei diesem neuen Modell die Verbundenheit der Marke mit Sportlichkeit und Dynamik betont wird. Dieses mal - für die Akademiker unter den Käufern- mit philosophischem Überbau, was meiner Meinung nach fast etwas aufgesetzt wirkt. Man hat sich wohl gedacht, dass ein Markenimage, dass lediglich auf Sportlichkeit und Dynamik, also auch Kraft und PS, basiert, auch ins Negative umschlagen kann. BMW-Fahrer gelten ja häufig auch als Raser und rücksichtslose Verkehrsteilnehmer.

Na schön. Spätestens wenn wir uns den Begleitsong des Werbespots zu Gemüte führen, müssen wir jedoch sagen, dass das zuviel des Pathos ist. Der Song an sich ist durchaus nicht schlecht. Nur, muss er dann als billige U2-Kopie daherkommen? Da hätte man eigentlich auf ein glücklicheres Händchen bei der Musikauswahl (wie beim Ebay-Spot) hoffen können. Aber wahrscheinlich wollte man mit soviel Emotion, die eher in Gefühlsduselei ausartet, etwas vom Design der Münchener Autos ablenken. Denn das spaltet ja schon sehr.  

Der Spot beinhaltet also viel Botschaft und viel Emotion. Damit ist ihm ein hoher Aufmerksamkeitswert und wahrscheinlich auch Erinnerungswert sicher. Wäre aber wahrscheinlich gar nicht nötig, denn die Autos der Münchner verkaufen sich so oder so, trotz des Designs und unabhängig von der Musikauswahl.

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